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«Siegreich taumelte der Zar in den Untergang» («Первая мировая война: победной поступью к краху царского режима»)

«Siegreich taumelte der Zar in den Untergang» («Первая мировая война: победной поступью к краху царского режима»)
Сентябрь 04
23:04 2016

Предлагаем вниманию наших зарубежных читателей размещённую на сайте авторитетного немецкого издания DIE WELT статью «Siegreich taumelte der Zar in den Untergang» («Первая мировая война: победной поступью к краху царского режима»), затрагивающую острые вопросы международного олимпийского движения .

От редакции ENF:

Обратим внимание на тот факт, что, по убеждению автора статьи, наступление армии Брусилова — «самая успешная операция России в ходе всей Первой мировой войны» — сыграло «двоякую роль: через восемь месяцев в стране разразилась революция, закончившаяся свержением Николая II…».

Рекомендуется к прочтению на языке оригинала.

Ссылка на русский перевод — в подвале статьи.

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Die Brussilow-Offensiven waren die größten Erfolge, die Russland bis dahin verzeichnen konnte – mit zweischneidigen Ergebnissen: Acht Monate später wurde Nikolaus II. von der Revolution gestürzt.

Russische Soldaten jubeln über ihren Durchbruch an der Südwestfront im Sommer 1916

Im August 1916 schien der Sieg für Zar Nikolaus II. zum Greifen nah. Seine Armeen unter Führung des agilen Generals Alexej Brussilow hatten weite Teile der österreichischen Front überrannt und waren Hunderte Kilometer nach Westen vorgedrungen. Rumänien war mit mehr als 500.000 Soldaten an der Seite der Entente in den Krieg eingetreten. Und im Westen, vor Verdun und an der Somme, verschlissen sich die deutschen Truppen.

Ein gutes halbes Jahr später waren Zarenkrone und Romanow-Dynastie von der Revolution hinweggespült, und ihre siegreiche Armee ein Wrack, das sich schneller auflöste, als seine Führung es zu registrieren vermochte. Als acht Monate später die Bolschewiki ihren Putsch wagten, gab es keine Soldaten mehr, die sich ihnen in den Weg stellten.

Zar Nikolai II. (1868-1918) – Stationen
Nikolaus II. von Russland / Farblitho

Nikolai II. war der letzte Kaiser Russlands. Nach dem Tod seines Vaters Alexander III. bestieg er am 1. November 1894 den Thron. Kurze Zeit später …

Foto: picture-alliance / akg-images

Dass es dazu kam, lag nicht zuletzt an den Erfolgen Brussilows. Sie hatten die Kräfte des Zarenreichs derart beansprucht, dass sich die Risse in ihm nicht mehr kitten ließen. Seine wirtschaftliche Rückständigkeit, die offenen sozialen Fragen, die immer drängenderen Ansprüche der Nationalitäten verbanden sich mit den ungeheuren Verlusten zu einer explosiven Mischung, die mit jedem Monat, die der erhoffte Frieden ausblieb, der Zündung näher kam.

Bis zum September, als sich die Fronten im Osten wieder festfuhren, hatten Brussilows Offensiven die russischen Armeen bis zu einer Million Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen/Desertierten gekostet. Bis Anfang 1917 zählte die zaristische Armee insgesamt 1,7 Millionen Tote und 2,5 Millionen Gefangene. Auch wenn man bedenkt, dass von den acht Millionen Verwundeten wohl viele wieder in ihre Regimenter zurückkehrten, wird das Gros nicht mehr mit großem Enthusiasmus seinen Dienst versehen haben.

Insgesamt hatte das Zarenreich 15 Millionen Mann mobilisiert, das waren weite Teile der männlichen Bevölkerung zwischen 19 und 45 Jahren. Da in den schweren Niederlagen des ersten Kriegsjahres vor allem die erfahrenen Offizierskader gefallen waren, rückten nun militärische Führer nach, die sich nicht mehr aus den traditionell zarentreuen Schichten rekrutierten, sondern Mittelstand und freien Berufen entstammten. «Sie verstärkten in der Armee das demokratische, radikale, rebellische und revolutionäre Potenzial, also die Zahl derer, die nicht mehr bereit waren, nur noch in den Kategorien von Befehlen und Gehorchen zu denken», urteilt der Osteuropahistoriker Helmut Altrichter.

Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich bei den Mannschaften. Ein Drittel der Mobilisierten hatte noch in der Armee gedient, die 1905 die demoralisierende Niederlage gegen Japan erlebt hatte und anschließend die blutige Niederschlagung der Revolution exekutieren musste. Viele dieser Männer hatten sich inzwischen ein ziviles Leben aufgebaut und kehrten entsprechend enttäuscht in den Dienst zurück.

Wie auch in der österreichischen Armee fanden die nachrückenden Offiziere selten den richtigen Ton, um ihre zunehmend rebellischer werdenden Mannschaften zu motivieren. «Die Soldaten widersetzten sich Anordnungen, provozierten und bedrohten Offiziere, sodass diese häufig handlungsunfähig waren, aus Angst, von den eigenen Männern umgebracht zu werden», diagnostiziert der Russland-Spezialist Dietmar Neutatz. In großer Zahl liefen die Soldaten zu den gegnerischen Truppen über oder desertierten.

Ein besonderes Problem stellten die Gardetruppen dar. Im autokratischen System Russlands war den Petersburger Eliteregimentern seit Peter dem Großen die Aufgabe zugekommen, den Zaren auch gegen innere Feinde zu schützen. Gerade diese gut ausgebildeten und besonders geförderten Truppen waren an Brennpunkten der Front eingesetzt worden und hatten entsprechende Verluste zu beklagen. Brussilow setzte eine ganze Gardearmee bei seinen Offensiven ein, die dabei buchstäblich verschlissen wurde. Ihre neuen Rekruten wurden nur wenige Wochen lang ausgebildet und gebärdeten sich ähnlich rebellisch wie ihre Kameraden in den Linientruppen. Als verlässliches Bollwerk gegen eine Revolution waren die Garden kaum noch zu gebrauchen.

Das hing auch mit der katastrophalen Versorgungslage zusammen. Trotz seines wirtschaftlichen Aufschwungs bis 1914 war Russland ein industrielles Entwicklungsland, das seine Konjunktur vor allem mit Getreideexporten finanzierte. Der Krieg hatte diese weitgehend zum Erliegen gebracht, zugleich schnitt die Sperrung der türkischen Meerengen das Land von wichtigen Zufuhren aus dem Ausland ab. Die knappen Ressourcen gingen an Armee und Kriegsindustrie. In den Städten grassierten Hunger und Inflation, da auf dem Land – viele Bauern waren ja eingezogen worden – weniger angebaut wurde.

Das embryonale Eisenbahnnetz und mangelhafte Organisation taten ein Übriges, dass wichtige Transporte zu spät oder überhaupt nicht in die Fabriken oder an die Front gelangten. Das betraf vor allem die Kohlelieferungen aus der Ostukraine, die für die Energiegewinnung von essenzieller Bedeutung waren. In den ersten Kriegsjahren war bis zu einem Drittel der Soldaten ohne Gewehr an die Front marschiert, wo sie ihre Waffen dann von Gefallenen zu übernehmen hatten. Der allgegenwärtige Mangel, der Hunger, das schwindende Vertrauen in die Führung und die Angst um die Angehörigen sorgten mit den Rückschlägen an der Front dafür, dass Disziplin und Kampfbereitschaft in dramatischer Weise abnahmen.

Damit aber verlor das Regime der Zaren die nötige Autorität, die bis dahin die wachsenden Spannungen zwischen Autokratie und Gesellschaft notdürftig überdeckt hatte. Es waren der Krieg und die Unfähigkeit der Herrschenden, ihn endlich zu beenden, die die Unzufriedenheit weiter Teile der Bevölkerung mehr und mehr verstärkten. So kam es zu der paradoxen Situation, dass jede Siegesmeldung Brussilows die allgemeine Enttäuschung noch steigerte, weil jene zu keinem Ergebnis führten. Siegreich taumelte Russlands Ancien Régime seinem Untergang entgegen.

ERSTER WELTKRIEG

(текст на русском языке)

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7 комментариев

  1. Екатерина
    Екатерина Сентябрь 06, 07:41

    Весьма и весьма интересно.)

    Ответить
  2. Ростан, Казань
    Ростан, Казань Сентябрь 06, 12:28

    Гм… с автором можно поспорить.. тем более, что автор — из страны, эту войну проигравшей.. ((

    Ответить
    • ramzes
      ramzes Сентябрь 06, 13:35

      А что именно не понравилось в авторской трактовке?

      Ответить
      • Мариуполь
        Мариуполь Сентябрь 08, 16:55

        А то и не понравилось, рамзесик, что автор просто-напросто желчью исходит!

        Ответить

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